Inselzauber

Sonntag, 9. November 2014

Zurück aus dem Urlaub ....

.... und kein bißchen schlauer, zumindest was die Integrationshilfe für unseren Sohn betrifft.

In der zweiten Ferienwochen hatte ich abends eine Panikattacke die sich gewaschen hatte. Insgesamt 7 Stunden war mein Körper "out of order". Seit Absetzen des Paroxitins sind mehr als drei Monate vergangen und ich will mich auch nicht wieder auf die Pillen setzen lassen. Also heißt das aber auch die Panikattacken aushalten und weiterhin stetig an den Ursachen der Überforderung arbeiten.

Der alte Mann und ich waren für die letzte Woche in die Schule gebeten worden um ein Gespräch zu führen - mit der Frage wie es weiter geht.
Kurz vor Gesprächsbeginn fielen mir meine Worte ein die genau das ausdrücken konnten was ich reflektieren wollte. In dem Gespräch selbst habe ich die Schule erst einmal sprechen lassen. Sie reflektierte ihren Standpunkt, reflektierte wie dringend sie die alte I-Hilfe haben wollen.

Anschließend habe ich ihr aufgeführt, dass wir bisher alle (ausnahmslos alle) Forderungen der Schule erfüllt haben. Wir haben letztes Jahr einen I-Helfer beantragt, wir haben die I-Hilfe ausgedehnt auf die Frühbetreuung, wir haben einen Termin beim Psychologen gemacht für unseren Sohn (am Ende des Vorgesprächs fragte er mich warum ich da sei ;-), wir haben Termine bei 2 Ärzten gemacht um das volle Testprogramm durchlaufen zu lassen. (wir haben hier geheime Wetten über das Ergebnis abgeschlossen - ich lasse es Euch wissen), wir haben für unseren Sohn eine Einzelfallhilfe beantragt. Diese gewünschten Maßnahmen sind für uns nicht nachvollziehbar, denn wir haben hier ein komplett anderes Kind. Da es aber aber vorkommt, dass ein Kind sich in der Schule anders benimmt als zuhause, haben wir den Wünschen zugestimmt.
Dann habe ich der Schule gesagt, dass wir nun genug Forderungen nachgekommen sind, wir aber der Forderung eine I-Hilfe zu akzeptieren, die nicht zu unserem Sohn passt, nicht nachkommen werden.

Nach 2 Stunden hat die Rektorin einsehen müssen, dass wir nicht umkippen. Und jetzt haltet Euch fest: Unser Sohn wird seit letzter Woche, in Ermangelung einer neuen I-Hilfe, ganz normal alleine beschult!!!!!
Es gibt keine Einträge im Mitteilungsheft, er erledigt alle Aufgaben in der vorgegebenen Zeit, er ist fröhlich und sehr engagiert.
Auf meine Frage wie er das alles schaffe sagte er nur: "Mama ich werde ja nicht mehr unter Druck gesetzt und fühle mich sehr frei!"

Noch ist nicht aller Tage Abend, ich weiß, aber seit einem Jahr sage ich, dass mein Sohn keine I-Hilfe braucht, sondern nur ernst genommen werden will. Aber ich bin ja nur eine Mutter!
Sicher ist, dass wir - wenn die Testbatterie - bei unserem Sohn ohne Ergebnis verläuft (oder mit den zur Zeit in Frankfurt gängigen "Modediagnosen" wie "frühkindlicher Autismus"), werden wir unseren Sohn keinem weiteren Test bzw. Druck aussetzen.

Wir hoffen, dass die Zeit für uns spielt. Wir hoffen, dass die Schule einen Schritt auf unseren Sohn zu geht und ihn in seiner Individualität ernst nimmt.
Der Psychologe, der unseren Sonnenschein-Sohn kennen gelernt hat, bietet uns an, der Schule zu erklären, wie unser Sohn tickt. Er findet es wichtig die Individualität des Kindes anzuerkennen, das Kind nicht endlos zu verbiegen. Er weiß um die Angst vieler Lehrer und bietet an, unseren Sohn zu unterstützen.

Ihr sehr, wir sind nicht wirklich schlauer als zuvor. Geduld, Ruhe, Geduld, Ruhe und nochmal Geduld sind zwingend notwendig.
Zwischendrin bin ich mal eben so in mein zweites Praktikum gestartet. Für 6 Wochen bin ich in einer Schule für mehrfach Behinderte. Unglaublich viele Eindrücke habe ich in der letzten Woche bekommen. Vieles wird noch lange dauern es zu verarbeiten.
Der Hit war der Freitagmittag: Ich durfte am Gebärden-Chor teilnehmen! Sehr hippe Musik haben wir mit Gebärden gesungen. (Mark Forster feat. Sido - Au Revoir).

Ich bin gespannt was mich in der kommenden Woche dort erwartet.

Und damit ich nicht nur negativ poste, werde ich in den kommenden Tagen über unsere Woche an der Nordsee posten.

Euch Lieben allen einen schönen Sonntag. Ganz liebe Grüße und

Namaste Kirsten

1 Kommentar:

Anna Purna hat gesagt…

Wenn ich Deine Zeilen lese, falle ich fast vom Stuhl. Ich kann gar nicht glauben, was die heute alles für wichtig halten. Aber als ehemaliger Pädagoge hätte ich eine Idee für Deinen Sohn. Wenn er ohne Druck besser lernt, dann wäre wohl eine Waldorfschule das idealste für ihn. Aber ob so eine Schule in Eurer Nähe ist. Ich hatte da einmal an einem Seminar in Stuttgart teilgenommen und was ich da zu sehen bekam, hatte mir sehr gut gefallen.

Liebe Grüße
Anna