Inselzauber

Sonntag, 12. Oktober 2014

WIE KRANK IST DIESE WELT, WENN SIE EINEM KIND KLAR MACHT, DASS ES NICHT GUT IST WIE ES IST????

Ihr Lieben,
die ganze Woche habe ich versucht Belangloses zu posten.

Irgendwann muss es dann aber doch raus:

Unser Sonnenschein-Sohn wird gerade nicht beschult. Er hat eine Auditive-Verarbeitungs-und-Wahrnehmungsstörung. Begleiterscheinungen sind: Konzentrationsschwäche,Hörprobleme, Lese- und Rechtschreibprobleme, soziale-emotionale Schwierigkeiten.
Aus diesem Grund hat er eine Integrations-Assistenz.
Das hiesige Jugendamt hat 2 Träger belegt. Wie schon einmal beschrieben hatte der erste Träger unserem Sohn 2 Helfer an die Seite gestellt, die gekündigt haben weil der Träger die beiden Helfer mit dem Gehalt übers Ohr gehauen hat. Wir mussten einen Antrag stellen den anderen Träger zu bekommen. Da die Träger nach Kosten ausgesucht werden, gibt es nur eine Alternative.
Wir nahmen also notgedrungen den zweiten Träger.
Anfangs lief alles recht gut an.
Mehr und mehr verlor die I-Helferin den Fokus auf unser Kind. Es begann eine Du-Freundschaft mit den Lehrkräften. Sonnenschein-Sohn wurde immer blasser, ihm wurde Willkür unterstellt, seine Krankheit wurde in den Hintergrund geschoben. Es wurden Förderpläne heimlich geändert, Unterlagen nicht mehr an uns weiter gereicht und stattdessen wurde uns gesagt, dass wir unseren Sohn mal in der Psychiatrie vorstellen sollten.
Der Träger hätte die Chance gehabt seine Mitarbeiterin zu schulen und ihr die Supervision zukommen zu lassen, die notwendig gewesen wäre um den Fokus bei dem Kind zu halten und nicht in die Befindlichkeiten der Erwachsenen zu wechseln.
Nach 3! Monaten Betriebszugehörigkeit gab es keine Schulung für die Mitarbeiterin. 
Letzte Woche stellte dann die Lehrerin fest, dass der Kontakt zur I-Hilfe nur noch über sie statt zu finden habe.
Rechtlich hat sie dazu keinerlei Handhabe, aber ok.
Wir haben uns gewehrt, haben uns an den Verein "Gemeinsam leben - gemeinsam lernen" gewandt. Schlußendlich haben wir um den sofortigen Austausch der I-Hilfe gebeten.

Am Freitagabend kam dann die Rückmeldung seitens der Rektorin, das unser Sohn nur weiter beschult wird, wenn wir genau diese I-Helferin wieder erlauben.

Wie sieht das rechtlich aus?

Unser Sohn hat gemäß Behindertenrechtskonvention einen Anspruch auf inklusive Beschulung.
(Zitat: Jeder Mensch hat ein Recht auf "Inklusion", also darauf, ein gleichberechtigter Teil der Gesellschaft zu sein. So steht es auch in der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen, die seit 2009 auch in Deutschland gilt. Doch von der rechtlichen zur tatsächlichen Gleichstellung behinderter Menschen ist es noch ein weiter Weg).

Die Lehrer haben die Möglichkeit sich über das Schulamt coachen zu lassen.
Die Lehrer haben kein Anrecht darauf die I-Hilfe zu dirigieren.
Unser Sohn hat Anspruch auf eine Fachkraft und nicht ständig ungelernte Kräfte.
Die I-Hilfe hat die Pflicht nicht zu werten und das Kind im Fokus zu haben.
Wir haben das Wunsch- und Wahlrecht und dürfen einen Träger bestimmen, der unserem Sohn fachkompetent helfen kann.

So, wenn wir das jetzt auf der rechlichen Schiene in der Schule einfordern, dann hat unser Sohn für immer verloren. Also müssen wir den Kopf so einschalten, dass wir die Lehrer da abholen wo sie stehen.
Wir wissen um die Schwierigkeiten für Lehrer, dass sie Inklusion so umsetzen müssen wie die Politik es beschlossen hat. Wir haben Verständnis, aber trotzdem verändert sich dadurch nicht die Pflicht der Lehrer sich selbst Hilfe zu holen.
Zur Zeit schicken wir den Zwilling in die Schule und der andere bleibt mit Tränen in den Augen im Auto:" Mama ich will auch in die Schule, warum kann ich nicht?"

Also müssen wir in den kommenden 3 Wochen das Jugendamt per Eilantrag beim Sozialgericht verklagen um einen angemessenen Träger zu bekommen. Dann haben wir Gespräche bei Psychologen vor uns, um unseren Sohn vor weiterem Schaden zu bewahren.
Mein Mann muss die kommende Woche abfangen, da ich Klausuren schreiben muss(natürlich ganz toll lernen kann) und unser Sohn betreut sein muss.

Ich kann meine Gefühle zu lassen und trotzdem versuchen pragmatisch zu handeln, eine Liste hilft mir dabei. Aber mein Sohn ist auf Schlimmste belastet, Er leidet, er weint, er ist durcheinander. Und wir können ihn nicht wirklich beschützen.
WIE KRANK IST DIESE WELT, WENN SIE EINEM KIND KLAR MACHT, DASS ES NICHT SO GUT IST WIE ES IST????
Es tut so weh.

Namaste Kirsten

Kommentare:

die_marie hat gesagt…

Liebe Kirsten,
ich bin furchtbar bestürzt ob Deines Berichtes! Was läuft hier in unserem Land eigentlich noch alles falsch? Ich wünsche Dir viel Kraft und Deinem Kleinen trotz aller Widrigkeiten schöne Erlebnisse die ihn ein wenig ablenken können!
Ich bin mit meinen Gedanken fest bei Euch und hoffe das Beste!
Fühle Dich mal feste umärmelt
Liebe Grüße, Christiane

Kullerbü hat gesagt…

Wie ich diesen ganzen Amts- und Schulkram hasse!!! Es gibt soviel Leid
auf dieser Schiene... Wir selbst haben da auch einen langen, langen Marathon und Odyssee hinter uns, bis wir im Februar eine handfeste Diagnose hatten und jetzt zum Glück eine passende Schule gefunden haben! Alles andere war auch ein Desaster und Verständnis darf man da leider von den wenigsten Menschen erwarten...
LG von Ann

corazon hat gesagt…

Lass dich mal ganz fest drücken!
Ich kann nur hoffen, dass es irgendwo jemanden gibt, der endlich merkt, dass es hier um ein Kind geht. Wie kann man ihm das antun?
Ich wünsche mir ganz fest, dass ihr etwas erreicht und die Zeit nicht zu knapp ist.
In Gedanken bei euch.
Herzlichst Petra

Sonja hat gesagt…

Ich verstehe das nicht - es schießen zurzeit so viele Praxen aus dem Boden, die genau diese Hilfen anbieten ... wieso geht da denn nichts??? Ist denn niemand dabei, der weiß, was er tut? Die Leidtragenden sind in erster Linie die Kinder (und natürlich auch die Eltern, die im Stich gelassen werden und hilflos zusehen müssen, wie ihr Kind lediglich "abgestempelt" wird. Ist wohl der einfachste Weg ... nur eben für die Betroffenen nicht.)
Und ich dachte, die Schulen hätten sich inzwischen weiterentwickelt ... leider ist das wohl nur Wunschdenken ... auch Kinder kommen nur zu ihrem Recht, wenn sie "funktionieren" ... schlimm ... traurig ...

Liebste Kirsten, ich bin gerade so bestürzt ... ich kann das echt nicht fassen ...

Seid stark! Auf dass Deinem Sonnenschein-Sohn bald wieder die Sonne scheinen wird, er wieder zur Schule darf, wo er nicht nur lernen, sondern auch wieder lachen kann.

Alles Liebe Euch Lieben,
Sonja

Elisabeth J.-S. hat gesagt…

Ich wünsche Euch ganz viel Kraft, Weitblick und auch Gelassenheit das wieder in gute Bahnen für Euer Kind zu lenken.....
Es geht mir sehr nahe, vor drei Jahren standen wir auch mit unserem Kind da ... er war fast fünf Monate in keiner Schule damals.
herzliche Grüsse
Elisabeth, die diesen Wahnsinn so satt hat!