Inselzauber

Dienstag, 26. August 2014

Eiskalt erwischt ........

.... mich jeden Morgen aufs Neue das Verhalten meines Ältesten.
Wenn ich bis dato dachte, dass wir in der Pubertät waren, dann habe ich mich seeehr geirrt.

Ich wünsche mir, dass wir gerade auf dem Höhepunkt dessen sind was in der "Hirn-Out-Phase" passiert. Schlimmer kommts hoffentlich nimmer.

Jeden Tag schlagen uns nahezu ausschließlich eiskalte Verachtung und Respektlosigkeiten entgegen, die immer mit dem letzten Wort von unserem Sohn kommentiert werden.

"Ich will Euch nicht, Ihr seid alle doof, Ich will ausziehen, Lasst mich in Ruhe, Ihr kritisiert mich nur, Ich bin der Arsch der Familie, Ich will nicht, Ich will nicht, Ich will nicht.....". Voller Sarkasmus und böser Ironie sind seine Worte und seine Anschuldigungen.

Das ist nur ein kleiner Auszug von dem was hier läuft.

Natürlich erkennen wir, dass die eigene Ambivalenz und die veränderten Lebensbedingungen rund um Freunde und Ausbildung schwer zu tragen sind. Unser Sohn hört alles und bezieht alles auf sich. Haben wir mit den anderen Kindern ein Gespräch fühlt er sich immer als der Grund des Gesprächs - glaubt das heraus zu hören, betont dass er keinen braucht und eigentlich alle Spackos sind die um ihn herum sind.
Wir versuchen ruhig zu bleiben und gelassen zu reagieren.
Trotzdem bin ich nicht mehr (bzw. nur sehr begrenzt) dafür verantwortlich, dass mein Sohn für sich sorgt. Ich bin nicht für sein Lebensglück verantwortlich und ich muss - verdammt noch mal - mir nicht alles gefallen lassen. es ist an mir ihn zu unterstützen wenn er Hilfe braucht und es ist auch an mir gewisse Dinge in seinem Verhalten auszuhalten. Aber wenn ich mehr weine und aus den Gesprächen mit ihm als heulendes Wesen raus gehe, dann ist es genug.

Er meint dass ausziehen die einzige Möglichkeit ist sich frei zu entfalten.
Für uns würde sein Auszug bedeuten, dass wir finanziell ans apsolute Limit kommen. Rechtlich muss ich meinem Sohn nur Unterhalt zahlen wenn der Wohnraum und die Lebenssituation hier unzumutbar wären - wenn.....
Nun, ich kann einem Auszug zustimmen, aber dann muss ich zahlen und das würde zu Lasten der kompletten weiteren Familie führen.
Ich halte es nicht für den richtigen Weg beim Staat Gelder zu beantragen nur weil man meint man können sich einem gewissen System nicht anpassen. Ein Teil meiner Mitschüler prahlt damit dass sie ausgezogen sind und wieviel Geld sie bekommen. Dass auch das System Staat nur funktionieren kann wenn es ein Geben und Nehmen ist scheint keinem der Herrschaften klar zu sein.
Meiner Meinung nach muss unser Sohn auch seinen Teil dazu beitragen, dass das System Familie läuft. D.h. einen Teil der Pflichten übernehmen (z.B. im Garten oder im Haushalt etwas helfen) und bestimmte Werte innerhalb der Familie akzeptieren. 
Unser Sohn muss keinen Urlaub mitmachen, muss keine Ausflüge mit uns machen und kann sich auch sonst frei entfalten. Es gibt keine Vorschriften - nur eben die kleinen Dinge, die meinem Mann und mir wichtig sind (dass man ordentlich miteinander redet und nicht die geschwister fertig macht usw.).

In meinem Inneren weiß ich, dass ich die Grundsteine bei meinem Sohn selbst gelegt habe und darauf vertrauen muss, dass es irgendwann "klick" macht. Im Alltag hilft mir das aber nicht und ich bin entsetzlich hilflos. Und das obwohl ich dachte wir haben die Pubertät bei ihm schon geschafft.

Mal sehen was kommt.........

Namaste Kirsten

Kommentare:

Kirstin Wrage hat gesagt…

Moin Moin, liebeste Kirsten :)

Gerade bin ich über dieses Zitat gestolpert:

"Es gibt keinen Menschen, der nicht die Freiheit liebte; aber der Gerechte fordert sie für alle, der Ungerechte nur für sich allein."(Ludwig Börne)

Ich fürchte, dass es der Zustand deines - definitiv immer noch Pubertier! - Sohne-kindes (Mann wäre er gerne schon, klappt aber noch nicht, deshalb diese Wut auf die total ungerechte Welt im Allgemeinen und die echt voll doofe Familie im Besonderen.

Und mal ehrlich: Ihr erwartet doch auch viel zuviel von ihm! Da hat sich schon die ganze Welt gegen ihn verschworen (ihr seid übrigens die Anführer!) und er muss sich da in Gänze drauf konzentrieren. Und dann erwartest du noch so etwas wie Weitsicht? Hallo? Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder weiter als von jetzt auf nachher schauen würde? Sich - du lieber Himmel! - auch noch Gedanken über soziales Miteinander oder gar Rücksicht machte? Vielleicht sogar noch darüber nachdenkt, dass man für eine erhaltene Leistung auch mal selbst etwas leisten muss?

Letztlich - habe ich gehört - druckt der Staat doch das Geld in irgendeinem Keller und da muss er schließlich was abgeben! Ähnlich verhält es sich mit Eltern. Die bekommen ihren Lohn ja quasi geschenkt. Oder ist das nicht so?

Liebste Kirsten, unsere Kinder bzw. deren Verständnis lebt in einem Universum, in einer Welt, das uns Erwachsene viel zu oft ausschließt.

Schlage ihm doch vor, in ein Jugendwohnheim zu ziehen - wo er seine Wäsche selbst waschen und sein Essen alleine kochen muss. Wo Leistung stets Gegenleistung erwartet.

Ich schicke dir eine Umarmung und so viel Kraft und Energie, wie ich kann,
deine Kirstin

TaSiKa / Tanja hat gesagt…

Liebe Kirsten, ich kann mir gut nachfühlen, was in dir vorgeht. Es gab Zeiten, da hätte ich meine große Tochter gerne auf den Mond geschossen. Bei uns kam es jedoch aus einer anderen Situation heraus. Sie ist die Tochter meines Mannes also meine Stieftochter. Als sie 14 war ging der ganze Horror los. Vorher war es nur Frl. Neunmalklug, danach wurde es richtig heftig. Sie probierte die Gothic-Scene aus. Trieb sich nachts auf dem Friedhof herum und war ständig auf Konfrontation. Kurz gesagt, sie machte uns unser Leben zur Hölle. Aber irgendwann war sie erwachsen. Sie suchte das Gespräch mit mir und suchte nach Antworten. Es wurden Fragen gestellt und Fragen beantwortet. Sie entschuldigte sich bei mir, dass sie mir die letzten Jahre so das Leben schwer gemacht hat. Wir haben uns ausgesprochen. Was ich aber eigentlich sagen wollte. Haltet an Eurem Weg fest. Auch wenn es im Moment aussichtlos zu sein scheint. Er wird es irgendwann begreifen und Euch dankbar dafür sein, dass auf Euch immer Verlass war und das ihr für ihn da wart.
Nicht unterkriegen lassen. Du weißt doch, hinfallen, aufstehen, Krone richten, weiter gehen.
Ich schicke dir ganz viele Drücker. Du packst das
glg Tanja

Sonja hat gesagt…

Ach herjee, liebste Kirsten. Wir stecken ja noch in der Anfangsphase der Pubertät. Aber dieses Verhaltensmuster kommt mir bereits sehr bekannt vor.
Liebend gerne würde ich Dir einen hilfreichen Tipp schreiben ... mir fällt aber leider nichts dazu ein. Durchhalten. Irgendwie.

Fühl Dich ganz herzlich gedrückt,
Sonja

Anna Purna hat gesagt…

Hört sich für mich sehr bekannt an...

Ich kann Dich beruhigen, da bist Du nicht die einzige, die das durchmacht. Soweit ich das immer beobachtet habe, ist das älteste Kind immer das Kind, das am meisten Probleme bereitet, aber trotzdem von der Mutter immer bevorzugt wird.

Und Dein Sohn hat recht. Ein Auszug gibt nicht nur ein Gefühl von Freiheit, es bringt auch neue Erfahrungen und Verantwortungsgefühl mit sich.

Staatliche Unterstützung finde ich in der Studienzeit schon in Ordnung, denn das holt sich der Staat dann schon wieder, wenn wir danach arbeiten gehen. Und wenn es der Staat nicht gibt, dann bringt eben diese Freiheit mit sich, dass der junge Mensch nebenher joben gehen muss.

Freiheit bedeutet nicht, dass die Eltern noch Taschengeld geben oder die Wäsche am Wochenende waschen etc.

Ich bin mit 15 schon arbeiten gegangen, habe mir Geld gespart und dann über dem zweiten Bildungsweg das Abitur nachgeholt. Mit 19 bin ich dann ausgezogen und habe nebenher gejobt.

Liebe Grüße
Anna

corazon hat gesagt…

Mein Tochterkind hatte auch kurz so eine Phase als sie 18 wurde. Sie zog da Hals über Kopf in ein Apartment ihres Vaters. Ich war verletzt und traurig. Als ich begann, mich mit der Situation abzufinden, kam sie plötzlich immer öfter nach hause und wollte dann auf einmal wieder ganz nach hause.
Vielleicht muss sich euer Sohn auch mal die Hörner abstoßen um sein Zuhause schätzen zu lernen.
Ich schick dir eine große Portion Gelassenheit.
Drück dich
Petra