Inselzauber

Sonntag, 2. März 2014

Im Moment heißt es Überleben

Das hört sich sehr dramatisch an, wenn ich mich traue solche Zeilen zu schreiben.
Meine Schule geht in die erste Praktikumsphase. Am Montag gehe ich für 6 Wochen in einen ambulanten Pflegedienst.
Bis letzten Donnerstag habe ich ein Portfolio für die Kunsttherapeutischen Arbeiten fertigen müssen. Alle Arbeiten seit Schulbeginn sollten hier abgeheftet werden.
Zu jeder Arbeit musste eine Arbeitsbeschreibung, eine Reflexion, weitere Informationen, Fotos über den Arbeitsablauf usw. zusammen getragen werden. Nach 260! Seiten habe ich den Ordner geschlossen (auch wenn er kaum noch zu geht) und habe ihn abgegeben.
In Pflege haben wir zum Thema Demenz eine Klausur geschrieben. In dem Fach "Recht" handelte die Klausur von Geschäftsfähigkeit, Rechtsfähigkeit, Aufsichtspflicht usw.

Glücklich, diese ganzen Arbeiten erledigt zu haben, bin ich in das Wochenende gestartet. Wir hatten am Freitag schon frei.

Tja und seitdem ist wieder viel passiert. Am Freitag Abend habe ich meinen großen Sohn rausgeworfen. Ich war mir selbst nicht wirklich bewusst was ich da tue, aber ich hartte angekündigt, dass er, wenn er weiter kifft, raus fliegt.
Und als ob das nicht genug wäre, eine Nacht zu verbringen mit dem Wissen um diese Geschehnisse und mit dem Wissen ohnmächtig und hilflos zu sein, kam am gleichen Abend noch raus, dass er auch die Schule nicht mit Engagement macht.
Und auch das war noch nicht genug, es kam noch ein weiterer "Klops" den ich nicht näher beschreiben will.
Mein Mann und ich versuchen nur zu funktionieren. Wir versuchen das Konstrukt Familie für die beiden Kleinen am Laufen zu halten.
Wir sind leer, leer im Kopf, leer im Gefühl. Wir sind hilflos, wir sind ohnmächtig, wir wissen nicht wo wir uns Hilfe holen können.

Ich frage mich sehr ernsthaft ob wir unseren beiden Großen vielleicht zuviel "Zuhause" gegeben haben. Zuhause, dass mein Mann und ich beide so nicht hatten.
Wir haben uns irgendwann mal ein Bild von unserer Familie gemacht. Schnell haben wir gelernt, dass Familie immer im Wandel ist. Nichts geht starr und stur durch zu ziehen.
Leicht war für uns der Einstieg aber doch, denn wir hatten von Anfang an gleiche Wertvorstellungen.

Und jetzt stehen wir vor dem zigsten Trümmerhaufen. Erlebend, dass unsere beiden Großen nahezu keine der Wertvorstellungen akzeptieren.

Vor einiger Zeit haben wir uns Hilfe geholt. Wir arbeiten mit einem Coach an Dingen, die wir mitgebracht haben in unsere Beziehung. Erlebtes dass wir ändern wollten. Und es klappt. Ich streite ab, dass ich mir als Mutter/Vater immer den Schuh anziehen muss, dass wir an allem schuld sind.
Es gibt genügend Teenies die ganz normal "rund" laufen und ihren Job machen, und diese Teenies haben schwerere Startbedingungen in ihrem Leben erfahren als unsere beiden hier.

Wo liegt die Verantwortung bei Kindern sich einem gewissen Konstrukt anzupassen?
Dürfen Kinder sich alles rausnehmen?
Wo sind die Gefühle meines Mannes und mir?
Wo dürfen wir Paar sein und nicht nur Eltern, die abends umfallen vor Erschöpfung?

Unser Sohn findet den Schuldigen nur noch bei anderen. Er hat in seinen Augen mehr Kompetenz als die Lehrer, mehr Komepetenz als wir und mehr Kompetenz als die Welt um ihn herum. Diese Arroganz, die Überheblichkeit ist UNERTRÄGLICH!!!
Wir verstehen ihn nur immer nicht. Und abgesehen davon unsere Tochter wohl auch nicht.

Nein, ich will und ich werde auch nicht verstehen, warum man kiffen muss um sich bei Laune zu halten.
Nein ich verstehe nicht warum man nicht ein wenig Respekt vor dem Lebenswerk derer hat die einen unterrichten oder ähnliches.

Destruktiv klingt mein Post - ich weiß. Aber ich schreibe das nicht nur auf um mich zu erleichtern. Nein, ich schreibe das auch auf, weil ich den Eltern Mut machen will die denken es passiert nur bei ihnen zuhause der Mist und andere erleben das nicht.
Doch, bei uns passiert das auch.

Zur Zeit denke ich dass wir einen Cut machen müssen.

Vielleicht mag es eine Idee sein, dass unsere Tochter doch erst einmal nicht weiter in die Schule geht. Im Sommer macht sie den Realschulabschluß. Sie sprach mal von einem freiwilligen sozialen Jahr. Da bekommt man doch auch Stellen bei denen man wohnen kann. Vielleicht hilft ihr dieser Abstand sich die Hörner ein wenig mehr ab zu stoßen.
Und auch für unseren Sohn gibt es vielleicht eine Lösung.

Für heute suche ich mir vielleicht eine Ecke in die ich mich zurück ziehen kann. Der alte Mann und ich bräuchten dringend Urlaub (von welchem Geld).

Wir haben beschlossen durch zu halten. Bis zum nächsten Tag, bis zur nächsten Woche  - in der Hoffnung dass es sich wieder ein wenig gibt und der derzeitige Albtraum weiter zieht.

Namaste Kirsten

Kommentare:

Engelsstaub hat gesagt…

Liebe Kirsten,
einen Teil Deiner Probleme kann ich gut nachvollziehen. Pubertierende Kinder können Eltern ganz schön an die Grenzen bringen. Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und Energie, es ist nie leicht, wenn die Kinder einen mehr fordern als einem lieb ist. Suche Dir Deine Ruhepole (bei 4 Kindern schon eine Meisterleistung, aber es kann klappen) und tanke für Dich auf.
Herzliche Grüße
Betty

Sandra WiWi your best friend hat gesagt…

Oh liebe Kirsten, ähnliche Probleme laufen bei uns auch zurzeit im Bekanntenkreis. Ich drück. dich einfach mal.
glg
Sandra

Heike hat gesagt…

Das hört sich ja nicht gut an . Sei stark und halte tapfer durch . Wenn das auch ein schwacher Ratschlag
ist , wünsche ich euch eine gute Wendung , damit eure Familie wieder an Stärke gewinnt .
Liebe Grüsse Heike

rotecouch hat gesagt…

Liebe Kirsten,
ich verstehe dich nur allzu gut... am liebsten würde ich meinen Sohn auch von Zeit zu Zeit rausschmeißen. Wir haben von diesem Auf und Ab in seinem Leben auch mehr als genug. Auch wir haben einen Coach an unsere Seite geholt. Zur Zeit läuft das was laufen muss (Ausbildung) ziemlich rund, aber an den zwischenmenschlichen Bedingungen muss noch hart gearbeitet werden.
In keiner Familie läuft es rund.... immer gibt es irgendwelche Ecken und Kanten, das ist auch gut so, woher sollten denn auch die Steine kommen, durch die unser zuhause gebaut wurde und die es ausmachen?
Ich hatte bei deinem Post Tränen in den Augen, weil ich dich so gut verstehen kann... Keep calm an carry on,
allerliebste Grüße
Heike (Erzieherin... muss ja nicht immer alles klappen ;O) )

Anna Purna hat gesagt…

Ja, ich verliere bei Pubertierenden auch oft die Nerven. ...aber wir müssen da wohl alle durch.

Alles Liebe
Anna