Inselzauber

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Egal wie niedrig ich die geistige Messlatte lege....

...... es wird immer einen geben, der aufrecht drunter durch läuft!

Ich weiß ich bin böse. Aber ich fühle es gerade so.
Die Schule ist sehr spannend. Viele interessante Themen, viel zu lernen, eine Hausarbeit an der anderen, Klausuren (u.a. Medizin der Aufbau der Zelle, Mitose, Meiose etc. Örks) halten mich gehörig auf Trab. Das alles denke ich aber bewältigen zu können.
Meine größte Herausforderung besteht darin mich den Teenies zu stellen.
Neben mir sind noch drei weitere Frauen dabei, die die 30 überschritten haben. Eine davon ist auch Mutter.
Zentrale Themen meine Mitschüler (alle zwischen 18 und 21 Jahren alt) sind die auf dem Markt feil gebotenen Drogen, welche Pilze man essen kann um high zu werden, und manch ein weiteres Thema, das ich hier nicht aufschreiben kann ohne rot zu werden.
Youtube Videos werden in der Klasse in einer Lautstärke gehört (in den Pausen), dass sich andere Mitschüler nicht mehr unterhalten können. Respekt scheint ein Fremdwort zu sein in der grenzenlosen "Ich-Bezogenheit".
Einige Mal habe ich schon geheult und mich angehalten mein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Zudem lässt mich auch der Gedanken nicht kalt, wie diese Menschen einmal auf Behinderte losgelassen werden sollen.

Bin ich denn wirklich schon so alt?

Meine Pause fülle ich mit Handarbeiten und zumeist einem Kopfhörer auf den Ohren.

Eine Schülerin aus der Oberstufe hat mir die Rückmeldung gegeben, dass sich diese Klassensituation bei denen genauso abgespielt hat. Erst nach einem 3/4 Jahr wurde es dort ruhiger. Der Berg es bis dahin auszuhalten scheint gerade seeeeehr hoch.

Naja, und dann ist mein Sohn am Samstag mal auf "Urlaub" gegangen. Er war irgendwann nur noch am Weinen, schläft nachts nicht mehr wirklich und grübelt und grübelt.
Die Ausbildung zum Sozialassistenten führt einen an die eigenen Grenzen. Woher komme ich, was stelle ich dar, wo will ich hin, was bedeutet "Erwachsen werden".
Das sind zentrale Themen in der Ausbildung denen sich die Schüler stellen müssen. Der Gedanken dahinter ist "man kann nur einem Kind in der entwicklung beistehen, wenn man um seine eigene Position weiss".
In meinen Augen richtig und gut.
Die Ambivalenz in der mein Sohn sich befindet ist also normal.

Aber ehrlich - sie kam für mich so unvorbereitet und überrollt mich.

Mein Sohn wohnt jetzt bei meinem Papa. Kann dort Ruhe und Auszeit zum Denken nehmen. Aber er sagt nicht wie es weiter geht.
Ja, Ihr werdet sagen "gut so". Sage ich ja auch, aber ES TUT WEH.

Mein Kind gehen zu lassen TUT MIR WEH. Ich gönne es ihm groß zu werden. Am 18.11. wird er 18. Und doch finde ich es mehr als schwer. Das erste Kind, das erste Loslassen.

Schnief, heulen tut gut.

Namaste Kirsten

Kommentare:

Sonja hat gesagt…

Au weia, Du Süße, da hast Du ja mal wieder das volle Paket abgestaubt. Klar, loslassen ist sooo wichtig ... aber eben auch sooo unglaublich schwer ...
Fühl Dich mal ganz dolle geherzt und geknuddelt (wenngleich das auch nur ein schwacher Trost ist).

Alles, alles Liebe,
Sonja

Die Fadenwirkerin hat gesagt…

Mensch Kirsten, da rollen ja so einige hohe Brecher über Dich hinweg. Ich drücke Dich mal ganz fest und schiebe Dir eine virtuelle Schokotorte rüber.

LG von Juliane

SAMMY hat gesagt…

Ich kann Dich so gut verstehen! Ehrlich! Ich habe gerade eine Qualifikation hinter mir (morgen ist Prüfung). Es ging über ein halbes Jahr und nennt sich "Erwachsenenbildung" - gröööl ...

Leute zwischen 30 und 54 (ich bin 50) und ich kann Dir sagen: Wieso sind 30jährige so bekl...? Der Kopf nur zum Frisieren und das Handy klebt ständig irgendwo am Körper. Respekt? Freundliches Miteinander?

Ich bin ganz froh, daß ich bald mit diesen Leuten nicht mehr täglich zusammentreffe!

Also: Kopf hoch!

LG Sammy

Inselzauber hat gesagt…

@ Frau Fadenwirkerin
Gerne liebe Juliane nehme ich die Torte, zumal die so genial wenige Kalorien hat ;-)
Der Tag ist bald zu Ende und morgen schauts wieder anders aus.
Liebe Grüße Kirsten

Inselzauber hat gesagt…

@ Sammy
Liebe Sammy, danke für Deine lieben Zeilen. Ja, das Handy habe ich auch noch vergessen. Auch wenn ich mein Handy mag, so bin ich doch wirklich nicht sprachbehindert wenn man es mir abnimmt. Allerdings wären meine Kollegen ihren Daumensport los und zudem sicher ganz überrascht was sie mit der ganzen Zeit in ihrem Leben anfangen sollen. Waren wir auch so ???? LG Kirsten

SAMMY hat gesagt…

Hallo Kirsten!

Nee, wir hatten doch gar kein Handy! Wir konnten doch miteinander sprechen. Es ist kaum zu glauben, aber uns war nie langweilig!

LG Sammy

Anna Purna hat gesagt…

So nervig Deine Mitschüler sind, sie könnten Deine Kinder sein. Du hörst und siehst da Dinge, die die eigenen Kinder immer vor den Eltern verbergen. Das ist ziemlich spannend - fast voyeuristisch. Natürlich verstehe ich Dich auch. Ich hatte das Abitur über den zweiten Bildungsweg nachgeholt. Ich wollte lernen und rasch fertig werden und da gab es eine Menge Störefriede, denen diese Ausbildung von den Eltern gezahlt wurde und keine Lust dazu hatten... Da musst Du wohl durch. Aber dafür kannst Du Dich bei uns ausheulen. Ich schiebe Dir auch zum Trost ein paar Koksoröllchen durch die Leitung..

Liebe Grüße
Anna

corazon hat gesagt…

Liebes, versuche durchzuhalten. Wenn mehrere Familienmitglieder neu starten, dann braucht es Zeit, bis sich alles findet.
Klar sind wir alt. In den Augen von 18jährigen sicherlich. Du musst immer dran denken, dass wir schon Zeit hatten einiges an Lebenserfahrung zu sammeln, was diese Generation noch nicht hat. Sie können noch unbeschwert sein. Sie werden sich die Hörner abstoßen und es wird besser werden. Du machst das schon.
Da stehen schwierige Themen für deinen Großen an, aber er macht das schon.
Drück euch,
Petra

Heike hat gesagt…

Welche Mama lässt schon gern ihre Kinder ziehen . Mir ist es mit meiner Sonja so gegangen , die ist sooo weit weg . Die anderen beiden Mädels hab ich aber in der Nähe .
Liebe Grüsse Heike

Iris hat gesagt…

Du Liebe!
Fühl dich einfach ganz fest gedrückt!
Es wird sicher alles gut!!
Iris