Inselzauber

Sonntag, 12. August 2012

Out of order

Mit ganz schlechtem Gewissen melde ich mich heute bei Euch.
Die Fotos vom Schrank sind immer noch nicht gepostet (dabei hatte ich doch die besten Vorsätze), die liebe Tanja hat mir einen Award verliehen und ich habe es noch immer nicht geschafft darauf zu reagieren.
Seit ein paar Tagen überlege ich nun  wie ich das am Besten schreibe und vorallem ob ich es aufschreibe.
Mein Gehirn ist "Out of order". Im Mai 2011 bin ich mit einem Burnout zusammen geklappt. Was, Hausfrau und Burnout?
Auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt mit einem viel zu hohen Blutdruck und einem völlig wirren Kopf freiwillig ins Krankenhaus gegangen bin, so habe ich doch den Arzt mit seiner Prognose (das dauert mindestens 3/4 Jahr) nicht ganz ernst genommen.
Es war mir vergönnt eine tolle Therapeutin zu finden, die mich sofort angenommen hat. Seitdem arbeiten wir. Bearbeiten jede Woche die Themen, die in meinem Rucksack sitzen, der für meinen Rücken viel zu schwer scheint.
Auch hier dachte ich, dass ich die beantragten Stunden in keinem Fall brauche. Ich bin ein Stehauf-Frauchen und war sicher dass das klappt.
Irrtum.
Wenn ich Euch das aufschreibe, dann auch als "Bewusstmachen" für mich selbst ob - und wenn ja  - was ich geschafft habe.
Immerhin merke ich dass Frau NEIN sagen kann. Bei bestimmten Menschen bedeutet "sich wehren" für mich leider immer noch dass ich anfange zu weinen, weil ich der Situation nicht gewachsen bin. Das erstaunt mein Umfeld immer wieder, denn wie kann eine Frau mit 1,85 m Größe dem nicht gewachsen sein.
Ich lerne immer mehr die Formen der Kommunikation zu überblicken. Ich verstehe, dass jeder Mensch sein Paket mitbringt und dass er mich nicht zwangsläufig nieder machen will. Es ist mir aber auch möglich statt des  "Ewigen Verständnisses für andere" hin und wieder für mich Verständnis zu haben.

Erst letzte Woche ging ich mit dem Satz aus meiner Stunde heraus:

"Manchmal muss man anderen etwas zumuten um sich selbst nicht weh zu tun!"
(Wertschätzung für mich selbst empfinden).

Für mich bedeutet das nicht immer gefallen zu müssen. Aushalten wenn andere mich - aufgrund meiner Entscheidung - für den Moment doof finden.
Dieses Nicht aushalten ist fest verankert in meiner frühesten Kindheit.

Klar, mein Kopf kann das, aber mein Gefühl ist nahzu unfähig das auch umzusetzen.

Sicherlich erzähle ich Euch mit all dem nichts Neues. Wievielen von Euch da draussen geht es genauso. Vielleicht macht es - und das ist der zweite Grund für mein Aufschreiben - das alles für uns Betroffene aber auch leichter.

Nach gut 1 Jahr habe ich es geschafft meine "Gute Laune Pillen" vor 3 Monaten abzusetzen. Das habe ich geschafft und bin stolz drauf. Allerdings gilt es damit auch den Druck ungefiltert auszuhalten. Heute morgen war das unmöglich und in meinem Kopf tauchte ein ähnliches "Game over Schild" wie im vergangenen Jahr auf. Immerhin habe ich mich schneller wieder berappelt.

Mein alter Mann zum Beispiel hatte eine sehr anstrengende Kindheit. Im Gegensatz zu mir hat er jedoch eine gute Portion "sonniges Gemüt". Er nimmt Dinge leichter und ist mir einen großen Schritt vorraus im "Aushalten".
Ich erhoffe mir etwas von ihm lernen zu können.

Tja, daher müssen die Fotos noch weiter warten,
kann ich Dir liebe Tanja erst einmal nur danken für dein Vertrauen mir einen Award zu verleihen und will ich zufrieden sein, dass ich zumindest ehrlich posten konnte um mich zu melden.

Wenn kleine Schritte irgendwann den gewünschten Erfolg bringen, freue ich mich. Manche Phasen laufen gut, manche schlecht. Für mich, für meine Kinder und für meinen Mann gehe ich den Mist in meinem Kopf an.
Vor 7 1/2 Jahren bin ich dem Tod von der Schippe gesprungen. Die Ärzte hatten meinem Gefühl nicht vertraut, dass meine Zwillinge geholt werden müssen. Sie wussten es besser und ich lag lange Zeit im Koma.
Tja, und wenn ich mir das vor Augen halte, die Kraft damals alles wieder neu zu beginnen - Arme heben, aufstehen, laufen und und und - dann nehme ich die Zuversicht mit, dass ich den Burnout in den Griff bekomme.

Seht mir also meine Pausen nach wenn ich poste. Jeder einzelne Leser von Euch ist mir wichtig und wertvoll und so wie ich Euch einschätze könnt Ihr damit umgehen.

Fühlt Euch gedrückt.

Namaste Kirsten


Kommentare:

Susanne hat gesagt…

Liebe Kirsten,
jeder kann in seinem ureigensten Tempo posten oder auch nicht. Das soll zu keiner Verpflichtung werden, dann wird es Stress, sondern es soll Spass sein. Wenn du mal nicht kannst oder magst ist das völlig ok.
Ich hatte auch schon so meine Tiefs auch durch Krankheit bedingt. Ich wünsche dir alles Liebe und fühl dich von mir gedrückt.
Susanne

Die Fadenwirkerin hat gesagt…

Ach Kirsten, gerade habe ich noch gedacht "wenn Kirsten heute nichts postet, dann maile ich ihr einen Brief".
Manchmal ist es wichtig Pausen zu machen und egal aus welchen Gründen: Pausen sind wichtig um sich wieder bekrabbeln und sammeln zu können.

Und das schlechte Gewissen, weil Du so lange nicht mehr gepostet hast, das begräbst Du am besten unterm nächsten Rosenbusch. Denn Bloggen soll Spaß machen und darf keine Verpflichtung sein.

Ich wünsche Dir und Deiner Familie einen geruhsamen Restsonntag
Juliane

Tanja hat gesagt…

Liebe Kirsten,
mach dich nicht verrückt, wir freuen uns wenn du postest und wenn du eine Pause brauchst auch gut. Bloggen soll Spass machen, ich habe auch keine Lust mich dem... du musst regelmäßig was schreiben... ich schreibe wenn ich was zu sagen habe und wenn nicht, dann nicht :-)
Ansonsten wünsche ich dir ganz viel Kraft und du schaffst das alles weil du eine tolle, starke Frau bist, manchmal muss man sich das nur selber erst bewusst machen. Nicht einfach, aber wenn du diese starke Frau in die entdeckst wirst auch du sie lieben.
Fühl dich gedrückt
Tanja

Engelsstaub hat gesagt…

Liebe Kirsten,
manchmal ist es wichtig auf sich selbst und die innere Stimme zu hören, auch wenn es bei 3 Kindern ganz anders aussieht. Habe Mut, Deine Zeit, die Du brauchst einzufordern und zu nehmen.
Ich weiss wovon ich rede und komme mit meiner Einteilung gut zurecht. Ich weiss, dass ich mehr Zeit brauche und habe auch nicht (mehr) den Ehrgeiz es schneller zu machen.
Und ja, nicht jeder hat es einfach, ich denke die Wengistens machen sich um Nichts Gedanken.

Ich wünsche Dir, dass Du Deinen eigenen Rhythmus findest und in Einklang mit dem Alltag es schaffst Deine Ziele verwirklichen zu können.

Alles Liebe
Betty

Sonja hat gesagt…

Ui, liebe Kirsten,
das ist ja jetzt ganz schön harte Kost ...

Zuallererst einmal: Wie und wann Du postest, ist ja wohl ganz allein Deine Sache! (Was mich betrifft - ich bleibe stur hier und warte auf Dich!) UND WEG MIT DEM SCHLECHTEN GEWISSEN!!!

Dass Du hier so ehrlich schreibst, finde ich mutig und absolut bewundernswert! Es zeigt doch deutlich, was für eine starke Frau Du bist! Fühl Dich geknuddelt!

Ich denke an Dich (und maile auch ganz bestimmt mal, sobald ich meinen Alltagstrott wieder in den Griff bekommen hab),
Sonja

Sandra hat gesagt…

Liebe Kirsten,
fühle du dich herzlich gedrückt. Danke für deine Ehrlichkeit und du kannst ganz sicher sein, JEDE/-R hat sein Päckchen zu tragen, nur nicht jede/-r hat den Mut so offen damit umzugehen, wie du es machst.
GLG Sandra

corazon hat gesagt…

Liebe Kirsten,
du machst doch alles richtig. Selbstfürsorge ist bei uns das oberste Gebot.
Ich wünsche dir, dass du deinen Weg findest.
Ganz liebe Grüße
Petra

Die zauberhafte Froschkönigin hat gesagt…

Liebe Kirsten, dein Post hat mich sehr berüht.
Wie du schon sagtest, jeder trägt seinen ganz eigenen Rucksack mit sich herum.
Den Mut zu haben anzuhalten, diesen Rucksack auszumisten und ihn für weiteren Weg zu leeren, heißt Erleichterung für nächsten Wegstrecken.
Nimm dir die Zeit und Ruhe, die du für DICH benötigst!!
"In der Ruhe liegt die Kraft"
Ich wünsche dir für deine Rast und die weitere Wegstrecke alles Gute & wünsche dir vie Kraft!!
L.G Vally